Hardware Reports - Der Hardware auf der Spur
Testberichte Artikel Anleitungen

Artikel: Das Netzteil

Stand: 02.08.2011
Rubrik: Netzteile • Autor: Philipp Guttmann • 14.11.2010

Vorwort

In diesem FAQ geht es um die stromversorgende Komponente im Computersystem. Dabei gehen wir auf verschiedene Aspekte ein, erläutern diese und geben anschließend Empfehlungen zum Kauf von Netzteilen ab.

Allgemeines

Was sind Netzteile?

Netzteile, englisch Power Supply Unit (PSU), sind die Komponenten des PCs, welche die elektrische Energie aus dem hauseigenen Stromanschluss umwandeln - sie dienen also als Transformatoren. Dabei werden die beispielsweise in Deutschland üblichen 230 V auf für die computerinternen Komponenten verträglich und üblichen 12, 5 beziehungsweise 3,3 Volt runtergeregelt, was eine Erhöhung der Stromstärke nach sich zieht.
Die im Endeffekt dargestellte Leistung in Watt bei den Netzteilspezifikationen rührt dann daher, wie viel elektrische Energie das Netzteil nutzen kann, ohne dass die netzteilinternen Bauteile davon Schaden nehmen. Da die Spannung immer gleich bleiben muss, wird also bei leistungsstärkeren Netzteilen die Stromstärke erhöht, um eine höhere Maximalleistung zu gewährleisten.

Wie viel Leistung verbraucht ein PC?

Jeder Computer ist mit unterschiedlichen Komponenten aufgebaut und hat demnach auch einen unterschiedlichen Stromverbrauch. Hinzu kommt dann auch noch der Teil der Nutzer, welcher das letzte Potential aus den Komponenten durch Übertaktung (Overclocking) herausholen will.
Ein generelles Office-System verbraucht im Schnitt ungefähr 100 bis 150 Watt, ein normales Allround-System 150 bis 250 Watt, ein Gamer-System bis 300 Watt und ein High End-System kann bei Nutzung mehrerer leistungsstarker Grafikkarten und beispielsweise einem stark übertakteten Prozessor schnell die 350 Watt-Marke erreichen oder sogar noch mehr verbrauchen. Generell gilt:

Das Netzteil sollte von den Spezifikationen doppelt so viel leisten können, wie real benötigt wird. Und warum ist das so? Dies wird durch den Wirkungsgrad begründet. Dieser ist bei einem Verbrauch der halben Maximalleistung am größten.

Der Wirkungsgrad

Die Effizienz eines Netzteils wird durch den sogenannten Wirkungsgrad bestimmt. Dieser beschreibt, wie viel der zugeführten elektrischen Energie auch wirklich umgesetzt werden. Diesbezüglich gibt es die 80 Plus Zertifizierung für Netzteile. Durch die Einführung dieses Zertifikates wurden viele Firmen dazu angehalten, ihre Produkte weiter in Richtung größerer Effizienz zu verbessern und erhöhten den Wirkungsgrad immer weiter. Folgende Zertifizierungen existieren (Wirkungsgrad bei 50% Auslastung):
  • 80% Wirkungsgrad: 80 Plus
  • 85% Wirkungsgrad: 80 Plus Bronze
  • 88% Wirkungsgrad: 80 Plus Silver
  • 90% Wirkungsgrad: 80 Plus Gold
  • 92% Wirkungsgrad: 80 Plus Platinum

Wie stark darf ein Netzteil belastet werden?

Betrachtet man sich ungeachtet von der Effizienz die Leistungsfähigkeit des Netzteils, so lässt sich sagen, dass dieses allgemein für einen Leistungsverbrauch von 75% unter Lastbedingungen vorbereitet ist.
Man könnte das Netzteil auch an die maximale Leistungsgrenze bringen, doch außer den dadurch gestiegenen Energieverbrauch, gibt es natürlich dadurch auch noch andere Aspekte, die negativ eingehen. Da die Elektronik auf dauerhaft hohe Leistung nicht eingestellt ist, kommt es zum schnelleren Verschleiß dieser, weshalb dann die Lebensdauer der verbauten elektrischen Bauteile sinkt. Außerdem steigt natürlich, wie das bei Elektronik häufig der Fall ist, durch den größeren Energieverbrauch natürlich auch die Abwärme. Dadurch müssen die Lüfter, sofern das Netzteil aktiv gekühlt wird, schneller drehen und die Geräuschkulisse steigt.
Letztendlich ist noch zu sagen, dass es ebenfalls zu Peak Load (Leistungsspitzen) kommen kann und auch zu größeren Abweichungen bei der Spannung, welche eigentlich zum günstigen Betrieb konstant gehalten werden sollte.

Was bringt ein modularer Aufbau?

Modularer Aufbau bedeutet, dass die zusätzlichen Molex-, S-ATA- und PCI-E-Stromkabel optional an das Netzteil angeschlossen werden können, es aber nicht müssen, wodurch man im Gehäuse ein besseres Kabelmanagment einrichten kann. So können überflüssige Kabel weggelassen werden und der Luftstrom ist idealer.
Weiterhin bleiben jedoch der Mainboard-24-pin-Stromanschluss sowie der CPU-Stromanschluss in den meisten Fällen am Netzteil fest dran, da sie für den Betrieb unverzichtbar sind; jedoch gibt es auch hier Ausnahmen, bei denen diese Anschlüsse auch modular ransteckbar sind.

Der Vorteil von modularen Netzteilen ist nun sicherlich deutlich, jedoch kosten diese auch im Vergleich zu Netzteilen ohne Kabelmanagment mehr. Ob dieser Aufpreis den Vorteil rechtfertigt, ist jedem selbst überlassen. Da jedoch modulare Netzteile eh erst in der gehobenen Preisklasse zu erwarten sind, greift man, wenn man die Wahl hat, lieber zu diesen, ehe man eines ohne kauft.

Wie sieht die Kühlung aus? Aktiv oder passiv?

Auch wenn es einem im ersten Augenblick vielleicht nicht sofort in den Sinn kommt, so müssen Netzteile natürlich gut gekühlt werden. Dazu besitzt es meist Kühlrippen, mit deren Hilfe die warme Luft auf großer Oberfläche abgegeben werden soll. Um die abgegebene warme Luft nach außen zu transportieren, ist also in den meisten Fällen ein Lüfter notwendig. Diese sind häufig temperaturgeregelt und passen sich der jeweiligen Leistungsnachfrage bzw. der damit verbundenen Temperatur an.
Hier trennt sich meist die Spreu vom Weizen, weil bei minderqualitativen Netzteilen oft auch am Lüfter gespart wird, der dann häufig entweder laut und/oder unangenehme Nebengeräusche verursacht, was das Netzteil dann schnell zu einer Störquelle im Computer werden lässt.

Passive Netzteile sind solche, die ohne Lüfter auskommen. Diese haben dann meist verbesserte Kühlrippen, um auch ohne den direkten Luftzug die Wärme ableiten zu können. Teilweise ist jedoch der vollständig passive Betrieb nicht möglich, denn bei einigen passiven Netzteilen wird noch empfohlen, im restlichen PC normale Gehäuselüfter zu verwenden, da sonst nicht sichergestellt werden kann, dass das Netzteil auf verträglichen Temperaturen bleibt. Allerdings gibt es auch hier positive Ausnahmen.

Empfehlenswerte Firmen

Im Netzteil-Segment gibt es viele Firmen und Marken, sodass man schnell einmal durcheinander kommen kann, wer für wen was produziert oder welche Firma selbst in die Produktion geht.
Um die Verwirrung jetzt nicht groß und breit darzustellen, wollen wir hier einfach ein paar Namen nennen. Selbst produzierende gute Firmen sind zum Beispiel Enermax, die allein für sich produzieren, Seasonic, die außer eigenen Produkten auch beispielsweise manchmal für Corsair und Antec fertigen, Cougar und FSP, wobei letzterer eher den Fertig-PC-Netzteil-Markt beherrscht und für andere Firmen die Netzteile produziert.
Empfehlenswerte Firmen/Marken, die nicht selbst produzieren, sind zum Beispiel BeQuiet, Corsair und Antec. Bei diesen gibt es aufgrund welchselnder Auftragsnehmer jedoch häufiger Unterschiede in der Qualität. Auch Super Flower zeigte als Neuling im Netzteilmarkt in jüngster Zeit gute Netzteile.

Netzteilempfehlungen je Leistungsklasse

Office-PC - 300 W

Hier kann man für Computer, die eher nicht für Computerspiele gedacht sind, zum Cougar greifen, welches weniger Stromstärke auf den zwei 12-V-Schienen hat. Wer in einem geeigneten Maße mit dem Computer spielt, der ist dann mit dem BeQuit besser bedient.

Allround-PC - 350 W

Für eher spielelastige PCs ist das Enermax idealer, welches mit jeweils 17 A auf zwei 12-V-Schienen arbeitet. Das Cougar arbeitet wie zuvor mit weniger, ist aber mit einer 84%igen Effizenz für Stromsparer einen Kauf wert.

Allround-PC - 400 W

Das Cougar hat in diesem Vergleich die höhere verfügbare Stromstärke von jeweils 20 Ampere auf den zwei 12-V-Schienen und ist zudem mit 85%igem Wirkungsgrad sehr effizient. Das BeQuiet ist in dem Zusammenhang auch nicht vekehrt, bietet einen leicht geringeren Wirkungsgrad und niedrigere Stromstärke von 18 Ampere, jedoch diesmal jeweils auf drei 12-V-Schienen.

Gamer-PC - 500 W

Hier triumphiert ganz klar das Enermax, welches mit hohem Wirkungsgrad von 90% und drei 12-V-Schienen mit jeweils 25 Ampere für Gamer ideal ist. Dies schlägt sich jedoch auch ein im Preis nieder.
Für die Preisbewussteren wäre so das Cougar einen einen Blick wert, welches deutlich günstiger ist, aber dennoch ein ordentliches Gesamtpaket abgeliefert.
Das Seasonic X-560 ist der direkte Antagonist zum Enermax Modu87+ 500W - es besitzt nämlich ebenfalls eine 90%ige Effizienz und bietet zudem eine sehr gute Kühlung und ein modulares Kabelmanagment. Für welches der beiden man sich nun entscheidet, ist Geschmackssache.
Eine günstige Alternative stellt hier wieder ein Netzteil der BeQuiet Straight Power Serie dar. Dieses ist vor allem für die Computernutzer ausgelegt, die für ihr Gamer-System ein gutes Netzteil benötigen, aber dafür nicht zu viel Geld ausgeben möchten. Durch ausreichend Stromstärke auf den 12-V-Schienen und einer ordentlichen Effizenz wird das bewerkstelligt.

High-End-PC - 600 W

Wie auch bei dem anderen Enermax Modu87+ ist hier sehr hohe Effizenz und hohe Stromstärke auf mehreren 12-V-Schienen mit einem sehr hohen Preis gekoppelt. Ist man diesen bereit zu zahlen, erhält man exzellente Qualität.
Doch auch im niedrigeren Preisbereich gibt es beispielsweise das gezeigte Coolermaster, das zwar mit nur einer einzigen 12-V-Schiene, die dafür aber mit 40 Ampere betrieben wird, aufwarten kann.
Im Leistungsbereich von 600 W kann auch Cougar mit einem hocheffizienten Netzteil kontern und überzeugt durch einen etwas günstigeren Preis bei hoher Qualität. Auch die Verteilung auf vier 12-V-Schienen wird dem einen oder anderem zugute kommen.

Enthusiast-PC - 700 W

Im Bereich 700 Watt Leistungsausgabe können wir zwei Cougar-Netzteile empfehlen. Das Cougar CMX 700W wartet dabei mit einer Bronze-Zertifizierung auf und bietet zu einem akzeptablen Preis genügend Leistung, auch für SLI/CrossFire-Systeme.
Weiterhin ist das Cougar SX S700 700W eine Empfehlung wert. Dieses bietet mit einer Silver-Zertifizierung eine etwas höhere Effizienz und weist insgesamt vier 12-V-Leitungen auf. Mit beiden Netzteilen sollte in jedem Fall ein problemloser Betrieb möglich sein.
Auch hier könnte man eigentlich auch das Enermax Modu87+, diesmal mit 700W, anfügen, jedoch scheint dies aufgrund des Preises von ca. 160 € übertrieben.

Schlusswort

Nach der Auflistung der ganzen Empfehlungen, nachdem wir allgemeine Themen zum Netzteil besprochen haben, hoffen wir, dass nun ein klarerer Einblick in die Welt der Netzteile herrscht und der ein oder andere bereits dadurch eine Kaufentscheidung fällen konnte. Wer dennoch unschlüssig ist, kann sich bei der Redaktion von Hardware Reports Rat holen.
StartseiteDatenschutzImpressum
Hardware Reports, 2010 - 2015, CC BY-SA 4.0